Der USA Bären-Thread
Seite 6173 von 6257 Neuester Beitrag: 03.02.25 16:52 | ||||
Eröffnet am: | 20.02.07 18:46 | von: Anti Lemmin. | Anzahl Beiträge: | 157.409 |
Neuester Beitrag: | 03.02.25 16:52 | von: Katzenpirat | Leser gesamt: | 24.303.579 |
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2. EU-Fördermittel, die von der EU an die EU-Mitgliedsstaaten verteilt werden. Sie werden finanziert aus den Beitragszahlungen der EU-Mitgliedsländer - wobei einige Länder (D.) kräftig einzahlen und andere (z B. Polen, Ungarn, Griechenland, kräftig abkassieren.
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1. Hier bewegen sich die Summen im Bereich von vielen Billionen Euro. Die EZB hat ihre Bilanz auf 7 Billionen Euro aufgeblasen. 7 Billionen sind 200 % des deutschen BIP von 2019.
2. Hier bewegen sich die Summen in sehr kleinem Rahmen. D. als Nettoeinzahler hat 2019 nur 14,3 Mrd. Euro eingezahlt. Das entspricht 0,4 % des deutschen BIP. Das ist weniger, als D. in 2019 für Entwicklungshilfe ausgeben hat (0,61 % des BIP).
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In der Diskussion darüber, ob die EZB mit ihren Anleihenkäufen ihre "Kompetenzen überschritten" habe, wie ja auch das deutsche Bundesverfassungsgericht befand (die Klage wurde später vom EU-Gerichtshof abgebügelt), wird 1) und 2) oft vermengt.
Es gibt nicht nur extreme Unterschiede in den Summen. Hinzu kommt noch, dass 1) illegal ist und 2) legal.
Die Unterschiede hab ich hier noch etwas ausführlicher beschrieben:
https://www.ariva.de/forum/...litik-aspekte-560489?page=23#jumppos580
Eine andere Reihenfolge ergibt sich, wenn man die Fördermittel auf die unterschiedlich großen Bevölkerungen umrechnet:
1. Ungarn - 518 Euro pro Kopf in 2019 (9,8 Mio. Einw.)
2. Griechenland - 368 Euro pro Kopf in 2019 (10,7 Mio. Einw.)
3. Polen - 315 Euro pro Kopf in 2019 (38 Mio. Einw.)
Das sind aber letztlich alles Bagatellbeträge. Deutschland zahlte 2019 netto nur 14,3 Mrd. Euro in EU-Töpfe ein, was 0,4 % des dt. BIP entspricht.
Viel gravierender sind die Billionensummen, die die EZB mir ihren Staatsanleihenaufkäufen aufwendet und damit illegale Staatsfinanzierung aus der Notenpresse betreibt. 7 Billionen Euro entsprechen 200 % des deutschen BIP.
Das illegale Geldgedrucke der EZB hat mit den legal verteilten EU-Fördermitteln im Prinzip rein gar nichts zu tun!
aus der Notenpresse" betreibt, liefert dieser Artikel aus dem Handelsblatt eindeutige Antworten (Kommentare und Hervorhebungen von mir):
....Eigentlich ist die direkte Staatsfinanzierung durch die Notenbank, auch „Monetarisierung der Staatsschulden“ genannt, ein Tabubruch. Sie galt als Auslöser von zwei großen Inflationen in Deutschland, jeweils nach den beiden Weltkriegen, wobei die zweite lange Zeit durch Preiskontrollen unterdrückt wurde. Man sprach früher gerne von der „Finanzierung mit der Notenpresse“, und tatsächlich wurden 1923 manche Rechnungen mit einer Schubkarre voller Banknoten bezahlt.
Insgesamt haben 2012 Forscher der Johns Hopkins Universität in Baltimore 56 Inflationen mit mehr als 50 Prozent Preissteigerung pro Monat aufgelistet, die erste davon schon zur Zeit der Französischen Revolution. Aus den letzten Jahren sind die Geldentwertungen in Simbabwe und in Venezuela in Erinnerung....
...In Europa achtet die Europäische Zentralbank (EZB) streng darauf, niemals Staatspapiere direkt zu kaufen, denn das ist ihr nach den geltenden Verträgen verboten. Sie musste aber auch den Kauf von Staatspapieren am Zweitmarkt vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) verteidigen. Das Urteil fiel 2018 zugunsten der EZB aus, und ein Versuch des Bundesverfassungsgerichts, dies auszuhebeln, verlief weitgehend im Sand.
Die Argumentation für und gegen diese Käufe ist – etwas verkürzt – wie folgt: Ökonomisch gesehen handelt es sich schon um Staatsfinanzierung, aber ökonomisch gesehen spricht in einer Zeit sehr niedriger Inflation auch nichts dagegen. Juristisch gesehen darf es keine Staatsfinanzierung sein, liegt aber auch nicht vor, weil die Anleihen nicht direkt gekauft werden. Trotzdem hüten sich vorsichtshalber alle Notenbanker, das Wort „Staatsfinanzierung“ auch nur laut zu denken.
Warum treibt diese Monetarisierung die Inflation nicht an? Schließlich hat die EZB rund drei Billionen Staatspapiere Euro im Bestand, was etwa einem Viertel der Euro-Staatschulden entspricht; in den USA liegt die Quote bei gut 20, in Japan bei gut 40 Prozent.
Der deutsche Ökonom Rudi Bachmann von der University of Notre Dame im US-Bundesstaat Indiana bringt es auf den Punkt: „Inflation ist ein fiskalisches Phänomen.“ Die Geldmengenausweitung allein ist nicht entscheidend, es kommt darauf an, wie sehr der Staat mit diesem Geld zusätzliche Nachfrage schafft.
Nach der Finanzkrise und ganz deutlich in der Coronakrise ersetzt der Staat aber vor allem den Ausfall privater Nachfrage. In den USA hat sich daher ja sogar unter dem Kürzel Modern Monetary Theory (MMT), prominent vertreten von der Ökonomin Stephanie Kelton, die Sichtweise entwickelt, dass die Notenbanken ruhig die Regierung finanzieren sollten. Um Inflation zu verhindern, müsste der Staat dann über Steuern die private Nachfrage im Zaum halten. MMT wird allerdings von den meisten Ökonomen abgelehnt.
Bleibt die Frage: Wäre eine direkte Staatsfinanzierung billiger als der Weg über den Markt, bei dem die Investmentbanken ihre Gebühren abzwacken?
(Diese Frage ist unlauter, weil es nicht um die Kosten geht, sondern um den juristischen Bruch des Maastricht-Vertrages! - A.L.)
Tatsächlich haben zum Beispiel die Platzierung einer neuen 15-jährigen Anleihe im Mai und die Aufstockung einer Bundesanleihe mit 30 Jahren Laufzeit zusammen knapp 30 Millionen Euro an Gebühren gekostet. Umgelegt auf die Laufzeit der Anleihen liegen die Kosten aber nur bei 0,02 Prozent pro Jahr, teilte das Bundesfinanzministerium auf Anfrage des Die-Linke-Abgeordneten Fabio De Masi mit.
Im Beispiel vom Mai hat die Regierung eine Syndizierung gewählt, bei der eine kleine Gruppe von Banken die Papiere übernimmt und sie an Investoren weiterverkauft. Die Alternative ist eine Auktion, bei der ein breiter Kreis von Banken Gebote abgibt. Die Syndizierung kostet mehr an Gebühren, bringt aber in vielen Fällen auch deutlich bessere Konditionen. Der Finanzierungsnachteil für den Bund hätte bei der Auktion um ein Vielfaches höher als die gezahlten Gebühren gelegen, teilte das Ministerium für den Beispielsfall mit.
Die Banken zu umgehen würde also wenig bringen. Und die EZB darf es ohnehin nicht.
oder um einen berühmten amerikaner zu zitieren: wenn es aussieht wie eine ente, wenn es quakt wie eine ente..dann ist es auch eine ente.
natürlich führen alle grossen notenbanken mit ihren aufkäufen von staatsanleihen eine eigentlich verbotenene monetarisierung der staatsschulden durch. all die schönen fantasienamen der kaufprogramme wie pepp, tarp und wie sie sonst noch genannt wurden dienen alleine der verschleierung.
- die krasseste form der inflation, die rasante geldentwertung, ensteht durch vertrauensverlust in die währung. weshalb der vertrauensverlust eintritt ist letztlich sekundär, meistens ist es das berühmte ungebremste geldrucken. das wichtigste kapital der notenbanken ist das vertrauen in sie - das ist nicht nur ein spruch.
- erwiesenermassen zu inflation führt die lohn-preis-spirale.
- ebenso inflation erzeugt helikoptergeld, das an alle verteilt wird. die covid-checks an die us-bürger fallen zum beispiel in diese kategorie.
- nicht zu dauerhafter sondern zu vorübergehender inflation führen preisanstieg bei rohstoffen. hier spielt nämlich der markt, angebot und nachfrage. höhere preise führen zu tieferer nachfrage und gleichzeitig höherer produktion. bei rohstoffen spricht man vom "schweinezyklus" https://de.wikipedia.org/wiki/Schweinezyklus
- ebenfalls nicht zu allgemeiner inflation führt das zuführen von massiver liquidität, wie es die notenbanken die letzten jahre durchexerziert haben. dies führt bloss zu asset inflation (aktien, immos).
der grund dafür ist, dass der berühmte trickle-down-effekt nicht eintritt, wenn nicht gleichzeitig die löhne angehoben werden. 90% der menschen leben direkt oder indirekt von lohneinkommen, der trickle-down-effekt kann also nur über diesen weg erfolgen.
fazit: die bevorzugte form der inflation entsteht durch erhöhung der allgemeinen kaufkraft. und zwar an der basis aus und nicht von oben herab, konkret also durch erhöhung des mindestlohnes. pointiert könnte man auch von einem "trickle-up-effect" sprechen...
Diese Aussage steht mMn in Widerspruch zu # 310, letzter Absatz:
natürlich führen alle grossen notenbanken mit ihren aufkäufen von staatsanleihen eine eigentlich verbotenene monetarisierung der staatsschulden durch. all die schönen fantasienamen der kaufprogramme wie pepp, tarp und wie sie sonst noch genannt wurden - (A.L.: LTRO) - dienen allein der verschleierung"
Wann immer ein Notenbanker sagt "Diesmal ist alles anders" sollten die Alarmglocken läuten. Am ekligsten finde ich die Theoriegebäude, die zur Rechtfertigung des Gelddruckens vorgeschoben werden, z. B. das Argument, dass Notenbanken gar keine Staatsfinanzierung aus der Notenpresse betreiben können, "weil das Zentralbankgeld den Zentralbankkreislauf ja überhaupt nicht verlässt".
Das kann schon allein deshalb nicht stimmen, weil der EZB in den Maastricht-Verträgen die Staatsfinanzierung aus der Notenpresse explizit verboten worden ist. Wenn etwas verboten ist, muss es auch möglich sein, sonst wäre das Verbot überflüssig.
Weitere Gegenargumente:
Wie das Handelsblatt schreibt (# 309), erwirbt die EZB (via QE) Staatsanleihen europäischer Staaten, die sie auf dem Zweitmarkt (= bei Privatbanken) aufkauft. Letzteres geschieht allein aus juristischen Gründen, um das Maastricht-Verbot der Staatsfinanzierung zu umgehen.
(Zwischenbemerkung: Es stinkt allein schon zum Himmel, dass eine Zentralbank sich hier aufführt wie ein Winkeladvokat...)
Aufkauf durch die EZB auf dem Zweitmarkt bedeutet konkret: Eine europäische Privatbank kauft einem (Problem-)Staat die betreffenden Staatsanleihen direkt bei der Emission ab (z. B. in Griechenland, Italien oder Spanien), nur um diese Staatsanleihen dann kurz darauf an die EZB weiterzureichen.
Sprich: Die Geschäftsbanken als Zwischenhändler sind reine Kosmetik, damit die EZB de jure "keine Staatsfinanzierung aus der Notenpresse" betreibt.
Tatsache aber bleibt, dass nur durch den indirekten Aufkauf dieser Staatsanleihen durch die EZB diese Problemstaaten überhaupt noch fiskal am Leben gehalten werden können. Griechenland wäre ohne die indirekten EZB-Staatsanleihenaufkäufe längst pleite. Wir sehen seitens der EZB somit nicht nur Staatsfinanzierung aus der Notenpresse, sondern obendrein Konkursverschleppung.
Wenn ein EU-Problemstaat nur noch deshalb weiter fiskal tätig sein kann (d.h. Renten auszahlt, Beamte bezahlt usw.), weil die EZB durch "Stützungskäufe" seiner Staatsanleihen die sonst fällige Staatspleite verhindert, dann führt dies mustergültig vor Augen, dass in der Ära des Zentralbank-Gelddruckens (QE) die Grenzen zwischen Geldpolitik und Fiskalpolitik immer stärker verschwimmen und sogar miteinander verschmelzen.
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Juristische Gegenwehr scheitert am EU-Popanz
Gemäß Urteil des Bundesverfassungsgerichts hat die EZB mit ihren massiven Staatsanleihen-Aufkäufen "ihr Mandat überschritten" - sprich: letztlich unverantwortlich und gesetzeswidrig agiert. Dieses Urteil ist jedoch wirkungs- (und handlungs-)los verpuppt. Denn der Europäische Gerichtshof hat diese Klage kurzerhand abgewiesen. Eine Krähe (EuGH) hackt der anderen (EZB) kein Auge aus.
Lagarde kann daher ungerührt dort weitermachen, wo Draghi aufgehört hat.
Allerdings wäre dies politisch niemals umsetzbar gewesen, weil viele Länder einer übergeordneten EU (die leicht als Popanz" wahrgenommen werden kann) misstraut haben und teils noch immer misstrauen. Sie hätten damit ihre Selbstbestimmung aufgegeben und gefühlt "ihr Schicksal" in die Hände brüsseler Bürokraten gelegt.
Als Kompromiss kam dann die Fehlgeburt Euro, die den Ländern volle Souveränität ließ und sie nur eher lose über die Maastricht-Regeln in die Pflicht nahm. Missbrauch und Betrug war damit Tür und Tor geöffnet. Die Griechen waren bekanntlich schon VOR 2010 pleite, weil sie von 2002 bis 2010 ihre Neuverschuldung viel zu niedrig an Brüssel gemeldet hatten. Seitdem agiert die EZB nicht mehr als Währungshüter, sondern zunehmend als Währungsfeuerwehr, die alle hehren vertraglichen Grundsätze auf den Haufen wirft.
Das Endergebnis ist zunehmender Verdruss über EU-Fremdbestimmung (siehe auch EU-GH-Urteil), Null- und Negativzinsen (das gab es bislang in 5000 Jahren Wirtschaftsgeschichte nicht) und eine neue Weichwährung, die nur noch darauf wartet, in einer Währungsreform unterzugehen.
diese "erwünschte inflation", also langsame preissteigerung bei gebrauchsgütern, kann nur entstehen, wenn den massen entsprechend mehr kaufkraft zur verfügung steht. (weil: angebot und nachfrage bestimmen die preise; fehlt den käufern das geld, kaufen sie weniger und die preise kommen irgendwann wieder runter). darum wiederhole ich mich gerne: der weg zur erwünschten inflationsform führt über die anhebung des mindestlohnes.
monetarisierung der staatsschulden hingegen führt im besten fall zu assetprice inflation, im schlechten fall zu geldentwertung durch vertrauensverlust. diese art der inflation (vetrauensverlust) ist in der regel verheerend, kann in der regel nicht mehr gestoppt werden und führt in der regel zur währungsreform.
aber diese diskussion wäre wohl im oekonomenthread besser aufgehoben, bei all den anderen salonlinken dort.
man hat an den griechen ein exempel statuiert, und sie mit falsch konstruierten auflagen durch die troika noch tiefer ins elend gestossen. doch die schulden der griechen waren im vergleich zu den italienischen schulden klein. als die schulden der italienern die eu zu zertören drohten hat der italienische ezb-chef draghi die berühmten worte "whatever it takes" gesprochen und die ezb zum schuldenmoloch umgestaltet.
ich hatte mich damals ziemlich intensiv mit der griechischen situation auseinandergesetzt. und es wäre einfach gewesen, die griechischen probleme auf sanfte art zu lösen. aber die eu wollte nicht, sie wollte härte zeigen, ein abschreckendes beispiel für andere budgetsünder schaffen. und leute wie schäuble haben so viel not und elend in griechenland mitverursacht, weil man ja unbedingt härte zeigen wollte. doch als italien zu kippen drohte, hat draghi die geld-bazooka rausgeholt. diese ungleichbehandlung war wirklich sehr augenfällig und für die griechen ein nochmalige demütigung.
Die Quer-Subventionierung der Eurozonen-Südstaaten durch die EZB mittels Anleihenaufkäufen ist ein ganz anderes Thema (und Kaliber). Hier geht es um die (inzwischen ziemlich verkorksten) Beziehungen der EU-Staaten untereinander.
Mit dem Euro wurde von Anfang an viel Missbrauch betrieben, wobei die Motivation stets war, dass das betreffende Land auf Kosten der anderen Mitgliedsländer einen Reibach macht. Motivation war/ist somit nationaler Egoismus - mithin das Gegenteil jener Solidarität, die ich oben (Mindestlohn, Rente, soziale Gerechtigkeit) anmahne.
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Ein besonders übles Beispiel ist Griechenland. Bereits beim Eintritt in die Eurozone hatten die Griechen gemogelt. Goldman "versteckte" mit Finanztricks die überhöhte Staatsverschuldung, die oberhalb der maximal zulässigen 60 % lag. Und als die Griechen dann drin waren im Euro, haben sie sich heimlich viel höher neu verschuldet als mit jenen 3 %, die ihnen gemäß der Maastricht-Kriterien erlaubt war.
Das fiel anfangs nicht auf, weil die Griechen (abermals betrügerisch) von 2002 bis 2010 ihre ausufernde Neuverschuldung nicht korrekt an die EU meldeten. In Brüssel war man sogar der Auffassung, dass der Euro Wunderdinge verrichten könne, denn die griechische Wirtschaft wuchs (scheinbar) deutlich infolge der starken Neuverschuldung (wenngleich viel von dem Geld in Gestalt von Händewasch-Prämien etc. verpulvert wurde). Freilich nur auf dem Papier, denn bei der BIP-Wachstumsberechnung wurde nicht die tatsächliche Neuverschuldung berücksichtigt, sondern nur die aus den Falschmeldungen an Brüssel.
Brüssel indes feierte das griechische Wirtschaftswunder. Es schien die absurde Konvergenz-These zu bestätigen, wonach ein EU-Land allein schon durch die Einführung der Euro auf das wirtschaftliche Niveau der Eurozonen-Kernstaaten gebracht werden könne.
Ähnlich feierte die EU das "Wirtschaftswunder" in Spanien und Irland. Die span. Wirtschaft wuchs viele Jahre um 5 % bei nur 40 % Staatsverschuldung. Spanien galt als DAS Musterland der Eurozone. Spanien betrieb zwar keinen Meldebetrug wie die Griechen. Doch die span. Wirtschaft wuchs allein deshalb, weil die niedrigen Zinsen, die der Euro wegen EU-Ausfallgarantie mit sich brachte (Pesenten-Zinsen lagen zuvor bei 10 %) zu einem gigantischen Bau-Boom führte, der wiederum in gigantischen Immobilien- und Schulden-Blasen gipfelte. Als letztere Ende der Nuller Jahre krachend kollabierten, gab es zahllose Banken-Pleiten und Spaniens Staatsschuldenquote stieg auf über 100 % (wegen der erforderlichen Bankenbailouts aus der Staatskasse). Nach Zahlen aus 2021 liegt Spaniens Schuldenquote bei 125 % (Tabelle unten).
Die Griechen hatten wie gesagt von 2002 bis 2010 ihre ausufernde Neuverschuldung (teils über 10 % p. a.) nicht korrekt nach Brüssel gemeldet. Diese illegal aufgehäuften Staatsschulden mussten freilich buchhalterisch versteckt werden, damit die EU dies nicht bemerkte. 2010 waren Griechenlands Staatsschulden so groß, dass sie auf mit Bilanztricks nicht mehr versteckt werden konnten. Deshalb schickte Athen 2010 eine schockierende "Nachmeldung" nach Brüssel, in der die wahre Verschuldungslage zugegeben wurde. Griechenland war faktisch pleite.
2010 und in den Folgejahren gab es dann zig Krisensitzungen und "Rettungspakete" (weitere Geldzahlungen an Griechenland), wobei letztere vor allem deutsche und franz. Banken retten sollten, die massenhaft griechische Staatsanleihen gekauft haben. Die "Griechenrettung" war daher anfangs eine Bankenrettung.
Danach erhielten die Griechen häppchenweise - und erst nach zähen Verhandlungen - weitere Rettungsgelder, die nun an Sparmaßnahmen-Forderungen gekoppelt waren. Brüssel wurde als hartherzig hingestellt, obwohl die Schuld zu erheblichen Teilen bei den Griechen selbst lag (Betrug in den Nuller Jahren). Als weitere Unterstützung wurde den Griechen ein Teil ihrer Schulden mittels "Haircut" bei endfälligen Staatsanleihen erlassen.
Geholfen hat all dies NICHT DIE BOHNE, weil Griechenland Staatsverschuldung inzwischen erneut bei ruinösen 209 % liegt. D.h. Griechenland ist de facto immer noch pleite. Bei 209 % Schuldenquote würde keine privater Investor griech. Staatsanleihen auch nur mit der Kohlenzange anfassen, gäbe es nicht die implizite EZB-Unterstützung: Die EZB kauft im Zuge von QE - ständig ihr Mandat überschreitend" (Urteil des Bundesverfassungsgerichts) - weiterhin griech. Staatsanleihen auf und betreibt damit die ihr per Maastricht verbotene "Staatsfinanzierung aus der Notenpresse", die in Winkeladvokaten-Manier durch Käufe auf dem Zweitmarkt juristisch verborgen wird.
Italiens Staatsverschuldung liegt gemäß der Tabelle unten (von 2021) bei ebenfalls ruinösen 160 %.
Die Ölpreise stiegen weiter an, wobei die Rohölsorte Brent über 84 $ pro Barrel stieg. Die Kohlepreise haben Rekordhöhen erreicht, und die Gaspreise haben sich zwar von ihren jüngsten Höchstständen entfernt, sind aber in Europa immer noch viermal so hoch wie zu Beginn des Jahres.
Die Auswirkungen von Lieferengpässen bei Energie und Produktionskomponenten zeigen sich in den Daten: Die Zahlen vom Dienstag zeigten, dass die japanische Großhandelsinflation im letzten Monat ein 13-Jahres-Hoch erreichte, britische Käufer ihre Ausgaben einschränkten, China einen 20-prozentigen Rückgang bei den Autoverkäufen verzeichnete und Engpässe das Semtiment in der deutschen Wirtschaft den fünften Monat drückten.
derzeit argumentieren ja die Grünen, dass man die Staatsverschuldung wegen der geringen Zinsen locker erhöhen kann,sogar noch daran verdient, so heute früh bei n-tv
https://www.n-tv.de/politik/politik_kommentare/...rticle22859389.html
"Rund 100 Milliarden Euro Schulden kann der Bund im Jahr 2022 machen, weil die Schuldenbremse noch nicht wieder gilt....Kredite nimmt der Bund derzeit zu derart günstigen Bedingungen auf, dass er am Ende weniger zurückzahlt als er geliehen hat. ..."
aber wie lange noch bei steigender Inflation ?
die eu hat den griechen übel mitgespielt: erst hat man sie ermuntert, ja geradezu gedrängt beizutreten und war dabei auch bereit, geflissentliche probleme wie die verschuldung zu übersehen und dann hat man sie brutal abgestraft.
die mär von den griechen, welche sich damals in die eurozone gemogelt hatte, die war damals schon nur die halbe wahrheit. die eu wollte die griechen um jeden preis aufnehmen und hat ganz bewusst weggesehen beim schönrechnen der staatsverschuldung.
der wahre skandal war, was die troika dann angerichtet hatte. echte schreibtischtäterökonomen, frisch von der uni, hat man auf die griechen losgelassen.
Damit war entschieden, dass nicht ökonomische Kriterien über den Eurobeitritt entscheiden, sondern politische. Griechenland, die Wiege der Demokratie, wollten Romantiker nicht draußen stehen lassen. 1998 wurde das mit über 100 Prozent verschuldete Land noch abgelehnt, zwei Jahre später aber in den Euroklub aufgenommen aufgrund gefälschter Zahlen. Wir haben nichts anderes gemacht als alle anderen Staaten, sollte sich der griechische Finanzminister Jahre später verteidigen. Das war zwar ehrlich, aber nur mehr für die Krisengeschichtsschreibung interessant."
https://www.profil.at/home/...aufnahme-griechenlands-todsuende-331215
+0,8 % zum Vormonat
+13,2 % zum Vorjahresmonat
WIESBADEN – Die Verkaufspreise im Großhandel sind im September 2021 um 13,2 % gegenüber September 2020 gestiegen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, hatte es letztmalig im Juni 1974 einen höheren Anstieg gegenüber dem Vorjahresmonat gegeben, als die Großhandelspreise im Zuge der ersten Ölkrise um 13,3 % gestiegen waren. Im August 2021 hatte der Anstieg gegenüber dem Vorjahr bei +12,3 % und im Juli 2021 bei +11,3 % gelegen. Im Vormonatsvergleich stiegen die Großhandelspreise im September 2021 um 0,8 %
Erstes Stahlunternehmen ruft nach staatlicher Hilfe
Die Strompreise für die Industrie sind zehnmal so hoch wie vor drei Jahren. Jetzt fordert der Chef der Swiss Steel Group Entlastung. Die Bundesregierung müsse die Preise deckeln – sonst drohten Produktionsstopps.
Das Auf und Ab der Pandemie hat die Schlagader des Welthandels getroffen: Die Containerschifffahrt ist blockiert. Nur noch jedes dritte Schiff erreicht pünktlich seinen Hafen. Doch auch dort herrscht Chaos. Hamburg und Rotterdam werden von den großen Reedereien zeitweise gar nicht mehr angesteuert.
Denn derzeit steht etwa jedes zehnte Containerschiff still. Und zwar nicht, weil es nichts zu tun gäbe. Sondern weil die anderen neun Schiffe vorher in der Schlange vor den Häfen standen und jetzt die Plätze zum Be- und Entladen blockieren.