N E W S T I C K E R - I R A K K R I E G
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blaubärgrüsse
Von Markus Deggerich, Amman
Es dämmerte schon leicht in Amman, als es in Bagdad blitzte. Mit der Zahl der Bomben, die im Irak fallen, wächst auf den Straßen Jordaniens der Hass auf die Amerikaner. Die Regierung dagegen bemüht sich um Neutralität.
Auch in Amman heulten am Morgen die Sirenen
Amman - Als erstes verändert sich die Sprache. Mag man noch von einem Lauffeuer sprechen, mit der sich die Nachricht vom Beginn des Bombardements in Amman verbreitete? Es dämmerte schon leicht in Amman, als es in Bagdad blitzte, und die meisten waren ohnehin aufgeblieben, um zu sehen, was passiert. Noch in der Nacht waren letzte ausländische Flüchtlinge aus dem Irak eingetroffen und sie erzählten von dramatischen Szenen an der Grenze und auf dem Weg durch die Wüste.
Viele Iraker sind an den Zäunen von Syrien und Jordanien gestrandet. Die Grenzer lassen sie nicht durch und sie haben kein Benzin mehr, um zurückzufahren, weil Saddam Hussein den Treibstoff für Zivilisten auf 20 Liter pro Kopf rationiert hat. Doch zwischen Bagdad und der Grenze liegen rund 500 Kilometer. Sie sind verloren in der Wüste, während in der Nacht Cruise Missiles und Stealth Bomber über ihre Köpfe hinwegziehen.
Eine Mitarbeiterin der Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen", die eigentlich in Bagdad bleiben wollte, erzählte, dass sich irakische Soldaten in Bagdad ihr bereits unangenehm genähert hätten und sie es deshalb vorzog auszureisen, bevor dort im Kriegschaos die Willkür herrscht.
Auch westliche Journalisten hatten Probleme, den Irak zu verlassen. Die Grenzbeamten nehmen angeblich unvollständig deklarierte technische Ausrüstungen zum Anlass, um einigen Medienvertretern die Ausreise zu verweigern. Sie sollten entweder nach Bagdad zurückkehren oder exorbitant hohe Strafen zahlen, um passieren zu dürfen. Einige Beamte nutzen so den Ausreisedruck, um sich in letzter Minute noch zu bereichern.
Sympathien für Saddam
Die jordanischen Behörden reagierten sofort auf die Nachricht vom Kriegsbeginn. Sie sind sehr bemüht, das Land als neutral erscheinen zu lassen. Die Mehrheit der Bevölkerung ist palästinensischen Ursprungs und sympathisiert mit dem Führer des Irak, der den verhassten USA die Stirn bietet. Der jordanische Außenminister, Marwan Muasher, meldete sich sofort im Fernsehen zu Wort und beteuerte, dass von jordanischem Boden aus keine offensiven Operationen gegen den Irak ausgehen werden. Die Menschen sind unruhig, weil nahe der Grenze auf jordanischem Territorium mehrere hundert US-Soldaten stationiert sind. Sie sollen angeblich nur humanitäre Hilfe leisten und Patriot-Abwehrraketen bedienen, mit denen verhindert werden soll, dass der Irak Israel angreift.
Allerheftigst dementierte Muasher, dass es eine Anfrage von Israel an Jordanien gebe für eine Durchmarschgenehmigung von israelischen Truppen. Konvois von israelischem Militär durch Jordanien, um den Irak anzugreifen, würde die Wut der Massen schüren und könnte die Regierung stürzen. Der Irak-Krieg trifft auch die ohnehin angeschlagene jordanische Wirtschaft schwer, die auf die Öllieferungen des Nachbarn angewiesen ist. Mehrfach heulten in Amman am Morgen die Sirenen - angeblich als Testläufe. Sollte Jordanien destabilisiert werden durch den Krieg, könnte auch in Amman der Ausnahmezustand ausgerufen und eine Ausgangssperre verhängt werden. Westliche Airlines haben ihre Flüge aus und nach Amman storniert, weil sie ihre Besatzung nicht mehr in der jordanischen Hauptstadt übernachten lassen wollen.
Noch verhalten sich die Menschen einigermaßen ruhig in Amman. Aber die Sicherheitskräfte auf den Straßen wurden bereits verstärkt. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Menschen auf die Straße strömen und ihrer Wut Luft machen. Für viele ist das nicht nur ein Krieg gegen die Diktatur des Irak, sondern pure US-Machtpolitik im Mittleren Osten, eine Okkupation und Mord an arabischen Brüdern und Schwestern. Dem wollen sie nicht tatenlos zusehen.
Spiegel.de
Ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtet, dass mit weiteren irakischen Angriffen gerechnet wird. Britische und US-Offiziere haben in Kuwait-Stadt Schutzanzüge angelegt. Sie hätten Informationen, dass ein Angriff mit chemischen oder biologischen Waffen unmittelbar bevorstehe, sagte ein Offizier.
Der britische Premierminister Blair will sich am Abend mit einer Fernsehansprache an die Nation wenden. Das berichtet der Nachrichtensender Sky News.
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Im Süden des Irak stehen nach einem Bericht des US-Fernsehsenders Fox News TV Öl-Bohrfelder in Brand. Eine unabhängige Bestätigung gibt es bisher nicht.
ARD 17:23
welt.de 17:24 Uhr
Aus Angst vor irakischer Vergeltung für den US-Angriff auf Bagdad haben mehrere tausend Israelis die Millionenstadt Tel Aviv verlassen. Zahlreiche Bürger folgten am Donnerstag einer Empfehlung der Streitkräfte und nahmen aus Angst vor Giftgasraketen ihre Gasmasken mit zur Arbeit. In Tel Aviv, wo während des Golfkriegs 1991 irakische Raketen einschlugen, blieben viele Schüler zu Hause. Im Gazastreifen demonstrierten 700 palästinensische Schulkinder für den irakischen Staatschef Saddam Hussein.
Augenzeugen auf der kuwaitischen Seite der Grenze zu Irak haben von orangeroten Flammen am nördlichen Horizont in Richtung des Ölzentrums in Basra berichtet. Zuvor soll es demnach eine Reihe von Explosionen gegeben haben. Ob die Flammen von den Explosionen verursacht wurden, ist nicht bekannt.
Die US-Artillerie hat am Donnerstagabend auf irakische Stellungen in Südirak gefeuert und damit die Bodenoffensive im Golfkrieg eingeleitet. Bei dem Angriff der 3. Infanteriedivision wurden Haubitzen und Raketensysteme mit Mehrfachsprengköpfen eingesetzt. Das teilte der US-Generalmajor Bufourd Blount mit, der die erste Phase der Bodenoffensive bestätigte. Der Himmel über dem Gebiet war hell erleuchtet, und es waren mehrere Explosionen zu hören.
Das amerikanische Verteidigungsministerium hat Medienberichte bestätigt, wonach Ölquellen im Süden des Iraks brennen sollen. "Ich habe Anzeichen dafür gesehen, dass bis zu drei oder vier Ölquellen im Süden brennen", erklärte US-erteidigungsminister Donald Rumsfeld.
Zuvor hatte der amerikanische Fernsehsender Fox News TV berichtet, die brennenden Quellen befänden sich in der Nähe von Basra. Iraks Ölminister Amir Muhammed dementierte entsprechende Meldungen. Eine unabhängige Bestätigung für die Brände sowie Auskünfte darüber, ob der Irak die Brände selbst verursacht hat, gab es bisher nicht.
Saddam Hussein hatte für den Fall einer US-Invasion zunächst gedroht, die eigenen und benachbarte Ölquellen in Brand zu setzen (Iran, Saudi Arabien, die Emirate, Kuwait und Qatar sind unmittelbare Nachbarn). Kurz vor Ausbruch des Krieges hatte er dies jedoch revidiert.
Die Löschung der brennenden Ölfelder im letzten Golfkrieg dauerte rund ein Jahr, weil sich die Feuerwehren den Quellen wegen der enormen Hitze und Rauchentwicklungen nicht nähern konnten. Die brennenden Quellen mussten aus der Entfernung schräg angebohrt werden, um den umgeleiteten Strahl schließlich löschen zu können.
Unterdessen prüfen die USA nach den Worten Rumsfelds, welche Schäden bei den bisherigen Angriffen entstanden sind. Dies sei der erste Angriff aber voraussichtlich nicht der letzte gewesen, so Rumsfeld. An die irakischen Soldaten gerichtet wiederholte er seine Aufforderung, keinen Befehlen Folge zu leisten, die von ihnen den Einsatz chemischer oder biologischer Waffen verlangen.